Heute Nachmittag habe ich mich auf den Weg gemacht, um mir in St. Wendel die noch fehlenden Sachen für die Härtung meines keltischen Schwertes zu besorgen. Das war ein sehr schwieriges Unterfangen, da ich so etwas noch nie getan habe und den Prozess der Härtung von Schwertern nur theoretisch in meinen Hirnwindungen mit mir herumgetragen habe. Da galt es dann das Theortische irgendwie in die Praxis umzusetzen. Die erste Überlegung war: Was brauche ich alles für dieses Gewerk und wie setze ich das zu Hause mit meinen bescheidenen Mitteln (meine Esse ist ein Säulgrill) um? Wie füge ich diesem Säulengriff genügen Luft zu, um ein Schwert mit einer Klingenlänge von 75 cm gleichmäßig zu glühen? Wie kann ich anschließend das glühende Schwert in einem Ölbad härten? Der naheliegendste Gedanke war ein Plastikrohr, wie man es im Hausbau für das Abflusssystem verwendet. Also habe ich mir eine Rohr von 1 Meter Länge und einem Durchschnitt von 11 cm gekauft, dazu eine Bodenplatte, die das Rohr nach unten mittels Dichtungsring aus Gummi dicht verschließt, so dass kein kostbares Öl auslaufen kann. Wäre auch eine elende Sauerei geworden. Aber wieviel Öl passt in so ein Rohr mit der vorgenannten Größe? Da wäre mathematisches Gespür erfordert gewesen. Zu Hause hatte ich für das Härten meiner römischen und keltischen Messer breits ein Gefäß mit zirka 8 Liter Rapsöl. Wieviel würde dann noch fehlen, um die Säule des Plastikrohres zu füllen? Ich habe dann mal auf gut Glück 10 Flaschen à 1 Liter Rapsöl gekauft. Zu Hause musste ich jedoch feststellen, dass mit den o. g. 8 Litern "Altöl" von meinen Messern das Rohr schon fast gefüllt war. Die Sauerei blieb natürlich nicht aus, weil mindestens ein Liter Öl beim Umfüllen neben dran lief. Macht sich hervorragend auf der gepfIasterten Terrasse. Ich habe noch knapp 3 Flaschen Öl hinzugießen müssen, so dass ich dann doch ganze 7 Flaschen Öl zuviel gekauft hatte. Macht nichts, kann ich zurückgeben, denn ich habe ja noch den Kassenzettel. Zum Glück hielt das Rohr dicht.
Zum Belüften des Holzkohlefeuers habe ich mir ein 1/2" Rohr gekauft, eine rechtwinklige Krümmung, eine Deckelplatte zum Aufschrauben sowie ein kleineres Rohr in derselben Größe. Das habe ich dann alles zusammengeschraubt, so dass ich eine rechtwinkelige Rohrkonstruktion aus Eisenrohren hatte. In das große Rohr, das zum Anfachen des Feuers bestimmt war, habe ich 5 mm große Löcher gebort, das Ganze dann an einen Fön angeschlossen und damit das Feuer nach dem Anzünden mit Holzkohleanzünder entfacht. Gleich war eine wunderbare Temperatur erreicht, die geeignet war, das Schwert zum Glühen zu bringen. Leider war die Fläche des Grills nicht groß genug, so dass ich trotz der diagonalen Anbringung des Luftzufuhrrohrs nicht genügend Platz hatte, um das Schwert in einem Stück glühen zu können. Ich habe also zuerst die Spitze geglüht und die ersten 2/3 des Schwertes und dann im Ölbad abgeschreckt. Danach habe ich das Schwert mit der Angelseite in das Schmiedefeuer gelegt und den restlichen Teil geglüht, anschließend ebenfalls im Ölbad abgeschreckt und mit Küchenrolle getrocknet. Das Schwert war durch die Hitze nun schwarz angelaufen (verzundert). Diese schwarze Schicht musste ich entfernen, damit ich beim Anlassen über dem Holzkohlefeuer an der Farbe des Schwertes erkennen konnte, ob die richtige Temperatur erreicht war. Die richtige Farbe des Schwertes, wenn die Anlasstemperatur stimmt, ist bronzeähnlich. Das dauerte dann auch gut 1 bis 2 Stunden, bis der gewünsche Effekt erzielt war. Nur hat sich das Schwert bei der Hitzebehandlung etwas verbogen, was ich durch Zurechtbiegen über dem Knie einigermaßen ausgleichen konnte. Am Griff (Angel) ist noch eine Krümmung vorhanden, die nicht so einfach wegzubiegen ist. Die muss ich durch erneutes Glühen und Ausschmieden beseitigen. Das ist auch kein großes Problem, da die Angel für das spätere Vernieten mit dem Schwertknauf ohnehin weichgeglüht werden muss. Das geht dann in einem hin. So weit die Theorie. Morgen schleife und poliere ich die Klinge, damit ich mir ein besseres Bild vom bereits Erreichten machen kann. Die Angel folgt dann ich der kommenden Woche. Aber das wird wahrscheinlich leicht zu beheben sein.
Wenn das Schwert morgen glatt geschliffen und poliert ist, werde ich es mit einem japanischen Wasserstein schärfen, um endlich feststellen zu können, wie "gefährlich" mein erstes selbst geschmiedetes Keltenschwert geworden ist. Auf jeden Fall ist es eine Waffe, von der so manch ein Kelte früher geträumt hat, wenn er in Kampfhandlungen verstrickt war und nur eine Lanze und ein Schild als Waffe mit sich führte. So ein Schwert war bei den Kelten ein Statussymbol. Das hatte nicht jeder. Es war sehr teuer, weil aufwendig herzustellen, so wie es auch heute noch sehr teuer ist, ein keltisches Schwert so originalgetreu wie möglich herzustellen.
Das Parierelement aus Bronze, sowie der darunterliegende Teil aus Holz, die Handhabe (Griff) und der Knauf werden Gegenstand eines weiteren Tagebucheintrages sein. Wenn Ihr Interesse habe, wie es weitergeht, wäre ich froh, Euch in den nächsten Tagen wieder auf meiner bescheidenen Seite begrüßen zu können.
Bis dann und bene valete,
Lucius
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